Das Kunsthaus ist Graz’ auffälligstes Gebäude und zugleich das mit der verwirrendsten Preisliste. Wer nur hier hinein will, zahlt 13 € — und unter 19 Jahren gar nichts. Wer zwei Museen sehen will, rechnet anders. Und genau da steckt eine Falle, die viele Familien zu viel kostet.

Das Wichtigste in Kürze

Museum · Lendkai 1

Besuch

Di–So und Feiertag
10:00–18:00
Montag
geschlossen
Erwachsene, nur Kunsthaus
€ 13,00
Unter 19 Jahren
frei
Studierende 19–25
€ 6,50
Camera Austria
inklusive

Geprüft 29.08.2026 museum-joanneum.at

Anfahrt und Extras

Praktisches

Straßenbahn
1, 4, 6, 7
Haltestelle
Südtiroler Platz
Tiefgarage im Haus
146 Plätze
Führung
€ 4,00
Audioguide
€ 3,00
Barrierefreiheit
100 %

Geprüft 29.08.2026 museum-joanneum.at

Die Ticketfalle: „unter 19 frei“ gilt nicht immer

Das Kunsthaus gehört zum Universalmuseum Joanneum, einem „Zusammenschluss von 20 Museen an 14 Standorten“. Deshalb gibt es zwei völlig verschiedene Tickets — und für Junge zwei verschiedene Altersgrenzen.

Kunsthaus-Einzelticket gegen Joanneums-Ticket · Stand 2026
Kategorie Nur Kunsthaus 24 h, alle Häuser 48 h, alle Häuser
Erwachsene € 13,00 € 20,00 € 26,00
Unter 19 Jahren frei
Kinder unter 6 frei frei frei
Kinder und Jugendliche 6–18 frei € 5,00 € 6,50
Studierende, Lehrlinge 19–25 € 6,50 € 10,00 € 13,00
Senior:innen, Gruppen ab 12 € 11,00 € 17,00 € 22,00
Familie, 2 Erw. + max. 2 Kinder unter 14 gibt es nicht € 40,00 € 52,00
Der Unterschied, der Geld kostet

Beim Kunsthaus-Einzelticket sind alle unter 19 gratis. Beim 24-Stunden-Ticket gilt das nur bis 6 Jahre — ab dann zahlen Kinder und Jugendliche 5 €. Wer mit zwei Teenagern nur ins Kunsthaus will, zahlt also 26 € für zwei Erwachsene und sonst nichts. Wer dasselbe mit dem 24-Stunden-Ticket macht, zahlt 50 €.

Das 24-Stunden-Ticket rechnet sich erst, wenn tatsächlich mehrere Häuser besucht werden — und für Familien mit Kindern über 6 erst recht spät.

Ein Familienticket fürs Kunsthaus allein gibt es nicht. Familientarife existieren ausschließlich beim 24- und 48-Stunden-Ticket. Wer etwas anderes liest, hat es nicht beim Betreiber gelesen.

Wann sich die Graz Card lohnt

Die Graz Card kostet 32,00 € für 24 Stunden, 42,00 € für 48 und 47,00 € für 72 Stunden. Sie enthält alle Grazer Joanneum-Standorte — und zusätzlich die Freifahrt in der Tarifzone 101 „inklusive Schlossberglift und Schlossbergbahn“. Bei jeder Karte sind zwei Kinderkarten bis zum 15. Geburtstag inkludiert.

Gegenüber dem 24-Stunden-Joanneumsticket (20 €) kostet sie 12 € mehr — und liefert dafür Öffis und den Schlossberg. Wer ohnehin auf den Schlossberg will und mit der Straßenbahn unterwegs ist, fährt damit günstiger. Wer nur ins Kunsthaus geht, zahlt mit 13 € deutlich weniger.

Was drin ist — und was nicht

Im Ticket enthalten ist auch die Camera Austria im zweiten Stock: „Mit Ihrem Ticket können Sie auch die Ausstellungsräume der Camera Austria besuchen“. Ebenfalls Teil des Rundgangs ist die Needle, laut Betreiber „eine rundum verglaste Aussichtsplattform, die einen unvergesslichen Blick auf Graz ermöglicht“ — sie liegt am Ende des Rundgangs und braucht kein eigenes Ticket.

Nicht enthalten sind Führungen (4 €, für Gruppen bis 25 Personen 55 € pauschal) und der Audioguide (3 €). Der Betreiber schreibt das ausdrücklich: „Führungen, Workshops etc. sind nicht im Kartenpreis inkludiert“.

Die BIX-Fassade

Die Medienfassade zur Mur hin ist „eine Wortschöpfung aus BIG und PIXEL“: 926 handelsübliche Leuchtstoffröhren auf 900 Quadratmetern, Auflösung 60 × 28 Pixel, bis zu 18 Mal pro Sekunde blitzend. Sie läuft seit der Eröffnung 2003 und zeigt wechselnde Künstlerarbeiten.

Feste Betriebszeiten nennt der Betreiber trotz eigener BIX-Seite nirgends. Wir geben deshalb keine an — belegt ist nur, dass die Arbeiten für die Nacht gedacht sind. Wer die Fassade sehen will, kommt nach Einbruch der Dunkelheit und schaut vom gegenüberliegenden Murufer.

Vor dem Besuch

Hinweis des Betreibers zu Lichteffekten

„Bei der Präsentation zeitgenössischer Kunst kommen manchmal Lichteffekte und Videoprojektionen zum Einsatz, die Epilepsie-Anfälle auslösen können. Informieren Sie sich daher bitte an der Kasse bzw. am Informationsschalter, ob die jeweilige Ausstellung für Epileptiker geeignet ist.“

Fotografieren ist „ausschließlich zu privaten Zwecken und nur ohne Blitz und Stativ erlaubt“. Sperriges Gepäck muss vor dem Ausstellungsbereich abgelegt werden; eine Garderobe gibt es im ersten Untergeschoss. Ob es abschließbare Schließfächer gibt, sagt der Betreiber nicht — wer Wertsachen dabei hat, fragt an der Kassa.

Das Haus ist nach Begehung durch CEDOS als „100 % barrierefrei“ eingestuft: taktile Leitlinien zu einem tastbaren Gebäudemodell mit Braille-Beschriftung, Leitsystem zur Kassa, akustische Ansagen im Lift, weiße Handschuhe für Tastobjekte und ein kostenloser Leihrollstuhl gegen Ausweis. Assistenzhunde sind in allen Häusern des Joanneums willkommen.

Was wir nicht schreiben

Zur typischen Besuchsdauer macht der Betreiber keine Angabe. Die im Netz kursierenden „ein bis zwei Stunden“ stammen aus Ausflugsportalen, nicht vom Museum — wir lassen sie weg. Ebenso fehlt hier eine Gehzeit vom Hauptplatz: Der Betreiber nennt nur die Richtung, keine Minuten.

Auch zu den Öffnungszeiten des Kunsthauscafés steht hier nichts. Zwei Seiten desselben Betreibers widersprechen sich dort um zwei Stunden, und das Café ist ein externer Betrieb.

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